Mit Kunst gegen Ausgrenzung Teil 1 – November 2017

Deutsch-französische Fortbildung
Vom 18. bis 25. November 2017 in Lyon

In diesem Jahr fand der Austausch zum Thema „Mit Kunst gegen Ausgrenzung“ zum ersten Mal im Rahmen einer Zusammenarbeit zweier Schauspielschulen, der Ecole Arts en Scène in Lyon und der Freiburger Schauspielschule, statt.

Für den ersten Teil des deutsch-französischen Austausches kamen die SchauspielerInnen aus Freiburg vom 18. bis 24. November nach Lyon. Während dieser Woche lernten die TeilnehmerInnen zahlreiche Projekte in Lyon und der Umgebung kennen, die sich mittels künstlerischer Praxis an Menschen in sozialer Ausgrenzung richten. Praktische Arbeit in Tanz- und Theater-Workshops mit der Choreographin Natacha Paquignon und dem Schauspiellehrer Glenn Giera-Bay vervollständigten diese erste Woche des Austauschs, der im Januar in Freiburg fortgesetzt wird.

Die Teilnehmer besuchten zum Beispiel die Organisation H&F, die sich mit der Gleichstellung von Männern und Frauen im Kulturbereich beschäftigt und das Kultur- und Begegnungszentrum der Psychiatrischen Klinik „La Ferme du Vinatier“, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Hilfe von Kunstprojekten das Krankenhaus mehr zur Stadt hin zu öffnen. Hier hatten die Teilnehmer die Möglichkeit den Künstler Benjamin Nid und sein Soundpainting Projekt kennenzulernen. Während der Begegnung mit dem Erzähler Gregory Viallet hatten die SchauspielerInnen die Möglichkeit, experimentales Erzählen im öffentlichen Raum auszuprobieren.

Auf dem Programm standen auch Begegnungen mit verschiedenen Theaterkompanien aus Lyon wie der Kompanie Zéotrope, die mit Bewohnern des Arbeiterviertels Cyprian-les-Brosses in Villeurbanne Theaterstücke schreibt und inszeniert, der Kompanie SisMa, die eine Theatertruppe geistig behinderter Jugendliche leitet, oder der jungen Kompanie « les rêves arrangés », die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen und Phänomenen beschäftigt.

Mit dem Thema der beruflichen und sozialen (Wieder-)Eingliederung beschäftigten sich die TeilnehmerInnen unter anderem bei ihrem Besuch des Projekts „Entrez dans le jeu“, im Théâtre de l’Iris, das die Produktion eines Stücks mit Personen in sozialen und beruflichen Eingliederungsmaßnahmen zum Ziel hat. Auch bei ihrem Besuch des Ateliers « Duo des métiers » in der Oper Lyon spielte dieses Thema eine zentrale Rolle. Hier konnten die SchauspielerInnen einem Musik- und Rhythmus-Workshop mit kürzlich in Frankreich angekommenen Ausländern beiwohnen. Jeder Teilnehmer kreierte in Anlehnungn an seinen früheren Beruf seinen eigenen Rhythmus. Die Rhythmen wurden dann am Ende gemeinsam von den SchauspielerInnen und Teilnehmern des Workshops auf Trommeln gespielt.

Besonders bewegend waren die Begegnungen mit dem Verein « vivre aux éclats » – Clowns im Krankenhaus, der den Einsatz von Clowns im medizinischen Bereich fördert, um Lachen und Zuversicht zu kranken und leidenden Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen zu bringen, sowie der Besuch der Brigade d’intervention lyrique auf der geriatrischen Station eines Krankenhauses, wo die Sängerin Landy Andriamboavonjy mit den Patienten verschiedene chansons und Opernstücke sang.

In den Arbeitsgruppen mit Natacha Paquignon und Glenn Giera-Bay beschäftigten sich die SchauspielerInnen mit verschiedenen körperlichen und sprachlichen Ausdrucksformen sowie mit Fragen nach Grenzen, Verschiedenheit und Gemeinsamkeiten. Aus Tanz- und Theaterimprovisationen, ausgehend von der Beziehung der Teilnehmer zu ihrer Umgebung, sowohl zu den anderen Teilnehmern als auch zum Raum und zur Musik, entstand eine gemeinsame Performance, die zum Abschluss der Woche am 24. November in der Schauspielschule Arts en Scène präsentiert wurde.


Künstlerische Leitung
Natacha_petitNatacha Paquignon : Die Tänzerin und Choreographin der l`Association Corps au Bord (CAB) / Compagnie Natacha Paquignon aus Lyon beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Idee der Grenze: zwischen künstlerischen Disziplinen, zwischen urbanen und ländlichen Siedlungen, zwischen Professionellen und Amateuren, zwischen dem Theater und dem öffentlichen Raum. Seit 2012 setzt sie sich mit der choreografischen und digitalen Sprache auseinander und untersucht das Verhältnis zwischen Tänzer und digitalem Umfeld, zwischen Publikum und Kunstwerk.
www.natachapaquignon.fr

 

Glenn Giera-Bay
Neben seiner Schauspieler – Tätigkeit in Basel, Stuttgart, Freiburg, Paris und München, lehrt der Regisseur und Theaterpädagoge seit 2011 in München und in Freising Schauspiel vor allem im Kinder und Jugend Bereich & der Erwachsenenbildung. Dazu ist er regelmäßig Referent an der Theater Akademie Stuttgart, an der Freiburger Schauspielschule und an der Akademie für Lehrerfortbildungen in Dillingen.

 


Dieser Workshop wurde in Zusammenarbeit mit der Schauspielschule Arts en Scène in Lyon und der Freiburger Schauspielschule organisiert, mit der Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Region Auvergne – Rhône-Alpes.