Physisches Theater – Oktober 2016

Deutsch-französischer Workshop
17.-25. Oktober in Berlin

In der Woche vom 17. bis 25. Oktober 2016 haben sich 20 junge Schauspieler, Professionelle und Amateure aus Deutschland und Frankreich, unter der Leitung von Anke Gerber, Lionel Ménard, Tony De Maeyer und Oliver Pollak mit vier Disziplinen des Bewegungstheaters auseinandergesetzt.

Nach dem morgendliche Bewegungstraining im Mime Centrum am Mariannenplatz, wurden die Teilnehmer durch die Spezialisten abwechselnd oder auch im Tandem in den vier europäischen Bewegungsschulen „Mime corporel“ (Étienne Decroux), Marcel Marceau, Meyerhold und Pantomime unterrichtet.

site-web-2Mit Anke Gerber ging es um körperliche Bewegungen wie Impuls, Welle und Isolation in der Pantomime. Der Ausgangspunkt für die ersten Übungen war vor allem die Technik, denn „Jeder Schauspieler muss eine technische Basis neben dem authentischen Spiel haben“, so Anke Gerber, „die alleinige Spielfreude reicht nicht aus.“ Sie zeigte der Gruppe, wie Objekte oder anderes durch vor allem Isolierung der Bewegung der Körperteile dargestellt werden kann, damit dies für den Zuschauer auch eine Bedeutung ergibt.

Lionel Ménard brachte der wissbegierigen Gruppe die Schule von web-4Marcel Marceau näher, mit dem er auch selbst zehn Jahre zusammengearbeitet hat. Ging es anfangs vor allem darum, an der Präsenz des Körpers zu arbeiten, dem Vertrauen und dem Zusammen-Wirken in der Gruppe, so entwickelten sie bald in Paarkonstellation erfindungsreiche und ganz individuelle Choreographien mit zwei Tennis–Bällen.

Oliver Pollack führte die deutsch-französische Gruppe in den Ansatz der „Mime Corporel“ nach Étienne Decroux ein. Hier ging es zuerst darum, die Präsenz des Schauspielers auf der Bühne zu trainieren. Wenn es auch so leicht scheint, es ist es nicht; Die betroffenen Körperteile – Zwerchfell, Brustbein wie Augen und Ohren- zu öffnen, um völlig im Moment auf der Bühne auch agieren und spielen zu können. Mit Oliver Pollak ging es nebenbei ans harte körperliche Training, wonach viele von Muskelkater geplagt wurden.

Mit Tony De Maeyer, spezialisiert in Biodsc04953mechanik, trainierte die Gruppe nach der Technik von Meyerhold. Die Schüler arbeiteten u.a. mit Holzstöcken, um das Spiel mit dem Gleichgewicht, der Expressivität und der Poesie der körperlichen Bewegung zu üben. Auch war die Präzision der Bewegung und gleichzeitig das Zusammen-Spiel in der Gruppe eine wichtig zu erlernende Komponente.

Der Abend in der Videothek des Mime Centrums konnte die Materie von den Teilnehmern durch das zahlreich vorhandene Video- und Buchmaterial von historischer und theoretischer Seite durchleuchtet werden und gab weitere Inspiration für ihre Arbeit.

Die Werkschau des Workshops am 24. Oktober 2016 lockte ca. 40 Berliner als Publikum in der herbstlichen Dämmerung zum Mariannenplatz. Hier durften jene die Ergebnisse der arbeitsreichen Woche bestaunen: wie zum Beispiel “Der Sämann“ von Marcel Marceau, der „Weinober“ nach Étienne Decroux, oder auch „Die Ohrfeige“ aus dem Repertoire von Meyerhold, und nicht zuletzt die verschiedenen Choreographien des Mime-Dramas „Der Mantel“ (Marceau, Meyerhold, Pantomime, Mime corporel). Das Publikum war sichtlich berührt und sprach den Teilnehmern bei dem kleinen Umtrunk nach der Aufführung in der Mediathek des Mime Centrums großes Lob aus.

web-3„Diesen geschützten Rahmen, frei von Urteil oder Bestrafung, im Vertrauen auf gemeinsames künstlerisches Schaffen und diese sensible Führung, habe ich in meinem ganzen Schauspiel–Dasein noch nie erlebt.“ , so eine Teilnehmerin zum Abschluss.


Künstlerische Leitung:

Mime-NB-web2

Oliver Pollak ist nach einer Ausbildung in Kopenhagen, Paris und London als Darsteller, Regisseur und Pädagoge in Berlin tätig. Er ist auf mime corporel nach Etienne Decroux spezialisiert.

Lionel Ménard war zunächst Schüler bei Marcel Marceau und hat dann 10 Jahre lang mit ihm zusammen gearbeitet. Heute ist er Regisseur, zum Beispiel für die Compagnie Bodecker & Neander in Berlin.

Tony De Maeyer ist Schauspieler und Lehrer für Biomechanik. Er studierte u.a. bei G. Bogdanov und arbeitete auch im Rahmen von internationalen Produktionen mit ihm zusammen.

Anke Gerber hat Ballett und Philosophie studiert, und arbeitet als Pantomimin, Tänzerin, Regisseurin und Pädagogin in den Bereichen Mime, Clownerie, Körpertheater und Maskenspiel v.a. in Berlin.


Der Workshop wird angeboten vom Mime Centrums Berlin und der Plattform für deutsch-französische Kunst, in Zusammenarbeit mit dem Festival Mimos in Périgueux. Die Plattform wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und der Région Rhône-Alpes unterstützt.

Logos Mime Berlin DE