Physisches Theater Berlin – Mai

Deutsch-französischen Workshop
Vom 02. bis 09. Mai 2017
Mime Centrum Berlin

Seit 2012 bereits bietet die Plateforme in enger Zusammenarbeit mit dem Mime Zentrum Berlin zwei Mal im Jahr den Workshop „Physisches Theater“ an. So finden sich auch vom 2. bis 9. Mai einmal wieder deutsche und französische angehende, oder professionelle Schauspieler im Berliner Künstler-Viertel Kreuzberg zusammen, um sich mit den Bewegungsschulen von Marcel Marceau, von Etienne Decroux, Vsevolod Meyerhold und den Techniken der Pantomime in intensiver körperlicher Arbeit auseinanderzusetzen.

Die pädagogischen Leiter werden am ersten Abend beim Umtrunk vorgestellt: ohne ihren künstlerischen Lebenslauf könnte der Workshop nicht die Einzigartigkeit bieten, die verschiedenen europäischen Schulen des Physischen Theaters im direkten Vergleich zu erleben. Das „Dream-Team“ besteht aus Anke Gerber, aus der Pantomime und dem Tanz kommend, Lionel Menard, ehemalgier Schüler Marcel Marceaus, Olliver Pollak, Pädagoge für „mime corporel“ und Tony de Maeyer, Spezialist für Biomechanik nach Meyerhold.

Bereits nach dem ersten Training mit Tony de Maeyer spüren die Teilnehmer bereits den Muskelkater kommen. Klar, intensive Beinarbeit, ganz anders als im Alltag steht auf dem Stundenplan. Sie arbeiten mit Bauklötzen, Stöcken, Tennisbällen und Holztreppen, um diese Beinarbeit zu trainieren, denn nach Meyerhold entsteht Bewegung in der Biomachanik aus den Beinen. Diese Arbeit sei, so Tony de Maeyer, keine Spielweise, nach der Schauspieler anschließend spielen kann. Nein, sie nutze dem Schauspieler insofern, dass der Körper vielseitige Bewegungen speichern kann, und jene – verknüpft mit Emotion und Text – auf der Bühne mehrmals in gleicher Weise wiedergeben zu können.

Mit Lionel Menard üben die Teilnehmer zuerst die Bühnenpräsenz eines Schauspielers bevor sie sich bestimmte Geschichten und Sequenzen der Marceau’schen Repertoire aneignen dürfen: den Sämann, den Mantel, den Stamm. Dabei geht es im Vergleich zur physischen Beinarbeit eher um das Innere, die Emotionen, der Schauspieler.

Anke Gerber arbeitet mit den Teilnehmern vor allem im Detail: Fuß- und Beinarbeit mit dem Fokus auf der Präzision, die Haltung der Wirbelsäule, und das Bewegen in der zweidimensionalen Ebene in der Pantomime: Schieben, Geschoben werden, Ziehen und Gezogen werden. Dabei geht es immer um die Frage: woher kommt der Impuls? Kommt er von Außen oder von Innen?

Ganz als Ergänzung zur Präzision von Anke Gerber, setzt Oliver Pollalk ein physisch sehr anstrengendes Training an: Springen, schnelles Laufen, Auf und Ab, Kommunizieren mit Körperteilen. Die Teilnehmer erlernen eine neue „Religion“: den „Lapanismus“. Dies bezieht sich auf folgende Körperhaltung: Beine etwas gebeugt, Becken schön in der Mitte, Unterbauch-Kontraktion, Oberkörper raus, Nacken gerade, Mund auf, Leuchten in den Augen. Darauf aufbauend folgt die Praxis der Technik Etienne Decroux’: das„Triple Dessin“ und vor allem die „Kontrepoids“.

Auch wenn der Workshop in dieser Konstellation bereits lange existiert, ist auch nach 5 Jahren die Zusammenarbeit der künstlerischen Leiter nicht eingefahren – im Gegenteil. Jedes Mal, so Anke Gerber, sei es eine neue Begegnung, seien es neue Fantasien, und ganz andere Geschichten, die schließlich bei der Werkschau am Ende des Workshops vor dem Berliner Publikum vorgestellt werden. So auch am Abend des 8. Mai: die Teilnehmer zeigen das in der Woche Erlernte, einige improvisierten oder auch einstudierten Sequenzen der vier Bewegungsschulen.Und wie immer fällt es schwer, „adieu“ zu sagen, sei es den hoch motivierten Teilnehmer, die innerhalb der gemeinsamen Woche „eine kleine Familie“ wurden, den tollen künstlerischen Leiter oder aber auch den Mitarbeitern des Mime Centrums, das jedes Mal die wunderbaren Arbeitsbedingungen mit dem tollen Saal zur Verfügung stellt. Deshalb bleiben wir doch lieber beim „au revoir“ und informieren Sie auf diesem Wege, dass der nächste Workshop „Physisches Theater“ bereits Ende August stattfinden wird!


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Infos zum Herunterladen:


Der Workshop wird vom Mime Centrum Berlin und der Plattform für deutsch-französische Kunst angeboten, in Zusammenarbeit mit dem Festival Mimos in Périgueux. Die Plattform wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und der Région Rhône-Alpes unterstützt.logositeDE