Reise durch das Filmfestival Lumière

Vom 8. bis 16. Oktober in Lyon
Deutsch-französischer Workshop
Im Rahmen des Festival Lumière

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© Patrick Swirc – Modds

In der Woche vom 8. bis 16. Oktober 2016 hatte eine deutsch-französische Gruppe die außerordentliche Gelegenheit, das Festival Lumière 2016 im Rahmen eines Workshops der Plateforme hautnah mit zu erleben: auf dem Wochen-Plan standen nicht nur Filmanalyse und Kritik im Austausch mit Professionellen, oder besondere Festival-Momente, sondern auch über zwanzig Filme im Kino, und die Kreation einiger Kurzfilme.

Auf diese Weise haben die deutschen und französischen Teilnehmer an der achten Ausgabe des Festival-Lumière, das jedes Jahr mehr als 150 000 Zuschauer anzieht, teilgenommen. Und dies in der Stadt, in der der erste Film der Geschichte mittels des Kinematografen durch die Brüder Lumière gedreht wurde (www.festival-lumiere.org)

Während der Analyse-Einheiten der Filmsequenzen, die vom künstlerischen Leiter Dominique Preusse ausgewählt wurden, konnte jeder Teilnehmer sein mehr oder weniger fundiertes filmwissenschaftliches Wissen vertiefen und ihr Kino-Auge weiter schulen. Zu Dominique Preusse, deutscher Regisseur, der seit langem in Frankreich wohnt, gesellte sich zudem für zwei sehr bereichernde Tage Peter Schott: Berater für Filmfestivals und ehemaliger Co-Direktor der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Nancy. In den Diskussionsrunden wurden zum Beispiel Manhatten von Woody Allen mit neueren Filmen desselben Regisseurs, wie Match Point, verglichen.

dsc03880Sei es der Abspann, die Musik des Films, das Spiel der Schauspieler oder aber der historische und kulturelle Hintergrund, all dies wurde schließlich zu Diskussionsstoff, der auch außerhalb der Analyseeinheiten begeistert diskutiert wurde.

Die Teilnehmer haben ihre Rolle als Kino-Festivalgängers ernst genommen: sie waren nicht nur in sieben verschiedenen Kinosälen von Lyon unterwegs und sind die Stadt mit den vielen Film-Plakaten, die das Gesicht Cathrine Deneuves zeigten – der Preis des Festival Lumière 2016 – abgelaufen. Sie haben sogar Filmpersönlichkeiten wie u.a. Quentin Tarantino, Antoine Sire, Clotilde Courau, Alice Taglioni, Bertrand Tavernier, Jean-Paul Salomé, auf ihrem Weg getroffen…

Zur Auswahl der gesehenen Filme gehörten die großen Klassiker mit Catherine Deneuve (Répulsion von Roman Polanski, La Sirène du Mississipi von François Truffaut, …), aber auch Filme mit großen Frauenrollen (Dance, Girl, Dance von Dorothy Arzner, A foreign affair von Billy Wilder oder Die Geschichte der Qiu Ju von Zhang Yimou,…). Dazu haben besondere Film-Momente das Festivalerlebnis bereichert: der Eröffnungsabend in Anwesenheit der großen Stars (Quentin Tarantino, Agnès Varda, Monica Bellucci …) und ein Kino-Konzert im  Auditorium de Lyon mit zwei Filmen von Buster Keaton, die vom Lyoner Nationalorchester begleitet wurden.

sans-titreMitte der Woche bot Dominique Preusse einen Workshop über Schauspielerführung im Proberaum des Centre Social Bonnefoi an. Für die Teilnehmer war das die Gelegenheit zu entdecken, wie schwer es eigentlich ist, dem Schauspieler die richtigen Anweisungen zu geben, damit er genau das tut, was der Regisseur von ihm auf der Leinwand haben will. Zu den Anweisungen gehören u.a.: Kontext, Untertitel, Vorspiel, Figuren, Orte… Aber auch konnten sie erfahren, wie schwer es sein kann, etwa mit aufrührerischen Schauspielern zu kommunizieren (wenn dies überhaupt möglich ist…).

Nach diesem Workshop waren die Teilnehmer so begeistert, dass sie sogleich ihr eigenes Script für einen Kurzfilm schrieben. Dieser wurde am Ende der Woche durch jeweils zwei andere Teilnehmer gespielt, einem bestimmten Kameramann gedreht und schließlich vom jeweiligen Teilnehmer geschnitten.

Die wohlwollende Begleitung und Führung durch Dominique Preusse und Peter Schott hat der gesamten Gruppe eine Vertrauensbasis verliehen, auf der jeder auf seinem Niveau lernen durfte. Auch wenn die drei Kino-Filme am Tag die eifrigen Festivalgänger manchmal etwas ermüden ließen, so endete die Kino-Reise durch das Festival Lumière doch für die Tapfersten in bester Laune, nämlich mit der „Nacht der alten Freunde“ in der Halle Tony Garnier mit den Filmen: L’Aventure c’est l’aventure von Claude Lelouche, Very Bad Trip von Todd Philips, Mes meilleurs copains von Jean-Marie Poiré und Les Bronzés font du ski von Patrice Leconte.dsc03824


Leiter :

Dominique-Preusse-NetBDominique Preusse ist ein deutsch-französischer Regisseur und Filmdozent aus Paris. Nach seinem Studium im Bereich Regie in Berlin, Paris und Toulouse, hat er 2015 die französisch-deutsch-chinesische Filmproduktionsgesellschaft SPLIT SCREENS mitgegründet. In diesem Rahmen realisiert er internationale audiovisuelle Projekte. Für das Deutsche Fernsehen arbeitet er u.a. für die ARD und das ZDF.  Seine Filme, meist mehrsprachig, haben das bewusste Streben seiner Protagonisten nach Freiheit gemein. http://www.splitscreens.fr/de/preusse.html

Foto.SchottNetBPeter Schott ist ehemaliger Co-Leiter  der  Sprachabteilung des Goethe-Instituts  in Nancy, Filmdozent am Institut Européen de Cinéma et d’Audiovisuel Nancy und an der Universität Metz. Er ist heute Berater für das Internationale Film-Festival in Nancy-Lorraine


Infos zum Herunterladen


Der Workshop wird von der Plateforme (Plattform für deutsch-französische Kunst) angeboten in Zusammenarbeit mit Split Screens, den Französischen Filmtagen Tübingen und dem Institut Lumière für das Festival Lumière, mit der Unterstützung des Deutsch Französische Jugendwerk und der Region Auvergne – Rhône-Alpes.logositelumièreDEjpg