Objekttheater

„Theater für junges Publikum“
Deutsch-Französischer Workshop
vom 29. Januar bis 5. Feburar 2017
im Rahmen des Festival Momix in Kingersheim (Elsaß)

Zum dritten Mal organisierte die Plateforme vom 29. Januar bis 5. Februar 2017 eine deutsch-französische Künstler-Fortbildung im Rahmen des internationalen Theaterfestivals für junges Publikum in Kingersheim – MOMIX!Vor 26 Jahren hatte der CREA die tolle Idee, Poesie und Theater durch das Festival Momix dem jungen Publikum näher zu bringen. Seitdem wächst die junge und jung gebliebene Besucherzahl von Jahr zu Jahr, die an dem großen Fest teilnimmt. Für die Plateforme ist es die Gelegenheit, einen Workshop des Objekttheaters anzubieten, für professionelle und angehende Künstler aus Deutschland und Frankreich, die sich im Elsass für eine Woche zusammengefunden haben…

Zum Objekttheater-Workshop auf dem Momix Festival hatten Christian Carrignon (französischer Leiter) und Sophie Bartels (deutsche Leiterin) die Teilnehmenden gebeten, zehn Objekte mitzubringen : eines aus Plastik, eines aus Metall, eines, das sie ans Exil erinnert, eines, das sie gern haben, … als die Teilnehmer am Montag-Morgen, den 30. Januar, ihre Objekte sorgfältig ausgebreitet hatten, und fast ein Drittel des Arbeitsraumes belegten, und die Leiter die Bühne mittels eines roten Tesastreifens auf dem Boden markiert hatten, konnte der Workshop beginnen!

Nach dem morgendlichen Aufwärmen, bei denen verschiedene Objekte die Körperteile durchwanderten und von ihnen sogar Besitz ergriffen (!), durften die Teilnehmenden während der Übungen ihre Geschichten erzählen. Als Handwerkzeug diente den Teilnehmenden ihre Vorstellungskraft und eins, zwei oder drei Objekte wie ein Thema: angefangen mit der Geschichte des eigenen „Vor-Namens“, dann „Eine Kindheitserinnerung“, oder auch „Ich und mein Opa/Oma“, „Mein Exil“, „Odysseus und Penelope“ oder ganz am Schluss: „Mein Ende der Welt“.

Was kann man sich unter Objekttheater eigentlich vorstellen? Und wo liegt der Unterschied zum Figurentheater? Ein paar Antworten haben sich während der Woche entwickelt. Im Objekttheater geht es darum, die Objekte nicht nur zu animieren, sondern sich auch von deren Eigenschaften inspirieren lassen und in den Schauspielköroper übernehmen, und dennoch die erste Funktion des Objekts nicht aus dem Auge lassen. „Zuerst muss das Konkrete des Objekts gezeigt werden, danach kann erst die Metapher wirken,“ so Christian Carrignon.Zur ganz spezifischen Sprache des „Theatre de Cuisine“ gehört der Film-Wortschatz, wie die Nahaufnahme und der Totalen, oder die Verschiebung der Zeitlichkeit und Räumlichkeiten, wie die Rückblende… zahlreiche Begriffe, die die Teilnehmer in einer außergewöhnlichen Weise mit den Objekten umgehen ließen und den Zuschauer in ein Film-Universum entführte. Sophie Bartels macht deutlich: „Es geht auf der Bühne auch darum, mit seinen Objekten vom Intimen zum Allgemeinen zu kommen.“

Nicht nur die künstlerische Praxis und das Erlernen der Sprache des Objekttheaters nach dem „Théâtre de Cuisine“ stand auf dem umfangreichen Festival-Programm, sondern auch der Besuch von Theaterstücken des Festival Momix, und anschließenden Diskussionen mit den Darstellern.

Darüber hinaus erlebten die Teilnehmer als Festivalgänger die geselligen Abende im Festivaltreffpunkt „Les Sheds“, eine alte Fabrik, die zu einem sehr gemütlichen Restaurant restauriert wurde, wo sich Professionelle und Amateure wie auch Besucher nach den Vorstellungen auf ein oder mehrere Gläschen (elsässischen Weins natürlich!) trafen.

Und um die Krönung dieser Woche nicht zu vergessen: ein halbseitiger Artikel über die deutsch-französische Fortbildung zierte die lokale Zeitung „L’Alsace“, nachdem eine sehr interessierte Journalistin fast einen ganzen Vormittag den Workshop assistierte und die Leiter interviewte. Wenn das nicht ein voller Erfolg für die angehenden Professionellen dieses Objekttheater-Workshops darstellt! Bravo!


Eine Auswahl der besten Fotos des Workshops finden Sie auf unserer Facebook-Seite!


Künstlerische Leitung:

momix-2017-f Christian Carrignon

Er gründete 1979 mit Katy Deville das ‘Théâtre de Cuisine’, eine Companie, die heute im Objekttheater
eine Referenz ist. Als Schauspieler und Puppenspieler entschloss er, sich von den Einschränkungen des Textes und der Puppe zu befreien, um mit Objekten zu arbeiten. Seine Inspiration kommt aus der bildenden Kunst oder dem Kino; heute hat er um die 40 Stücke wie zahlreiche Workshops und Konferenzen aufzuweisen…

momix-2017-f1Sophie Bartels

Die deutsche Puppenspielerin absolvierte ihre Ausbildung an der Schauspielschule «Ernst Busch» in Berlin. Sie arbeitete mit dem ‘Théâtre de Cuisine’ vor allem für das Stück «Die Schuhe der Meerjungfrau» zusammen, und als Puppenspielerin am Theater Plauen-Zwickau, wie für weitere Theater und Festivals in Deutschland, Estland und Frankreich.

 


Dieser Workshop wird von der Plateforme (Der Verein Plateforme de la jeune création franco-allemande) und dem Festival Momix in Kingersheim angeboten. Mit der Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Région Auvergne-Rhône-Alpes.logositemomix