Die Sprache des Anderen sprechen

Im Rahmen der deutsch-französischen Woche:

Das deutsch-französische Theaterwochenende mit dem Thema:
„Die Sprache des Anderen sprechen“
fand am 16. und 17. Januar 2016 im Goethe-Institut Lyon statt

DSC07901«P-T-K, P-T-K, P-T-K...» hallt es durch das Loft des Goethe-Instituts. Mit einer werfenden Geste üben die Workshopteilnehmer die harten Konsonanten der deutschen Sprache, um ihre Stimmbänder aufzuwärmen.

„Die Sprache des Anderen sprechen“ war das Thema des Theaterworkshops, der im Rahmen der deutsch-französischen Woche von der Plateforme und dem Goethe-Institut Lyon, mit der Unterstützung des DFJWs, angeboten wurde. Die deutsche und französische Sprache waren Ausgangspunkt, um die eigene Identität und die Beziehung zum Anderen zu hinterfragen. Was verändert sich im Spiel eines Schauspielers, wenn er die eigene oder eine fremde Sprache spricht?

Als Grundlage für die Recherche diente das Stück «Die Hamletmaschine» von Heiner Müller. Der zeitgenössische Text, der eine freie Anlehnung an Shakespeares „Hamlet“ ist, bot mit seinem nicht so alltäglichen Vokabular und experimentellen Aufbau viel Raum für Interpretation. Die Gruppe arbeitete mit einer deutsch-französischen Version von Thomas Kellner, einem der künstlerischen Leiter, der aus dem Text eine Melange beider Sprachen gemacht hatte. So bekam jeder die Gelegenheit, sich in der fremden Sprache auszuprobieren und dem Text mal im Chor, mal als Duo oder Solist seine Stimme zu verleihen.

DSC07948Mathieu Huot, der andere künstlerische Leiter, ermutigte die Teilnehmer mit den Worten: « La seule façon d’un acteur de dépasser sa peur est de trouver son plaisir » („Die einzige Möglichkeit für einen Schauspieler seine Angst zu überwinden, ist Freude an der Arbeit zu finden). So wich bald die anfängliche Frustration angesichts einer Sprache, die man nicht perfekt beherrscht, einer Neugier und Spielfreude. Bedeutet es nicht auch Freiheit sich in einem anderen Umfeld zu bewegen, wo man nicht alles richtig machen muss? Eine neue Herangehensweise an die Sprache war möglich, ohne den intellektuellen Zugang der Grammatik. Die Arbeit erlaubte, sich mal ganz auf die Aussprache zu konzentrieren und den Spaß an der Musikalität der fremden Sprache zu entdecken.

DSC08008Am Sonntag öffnete der Workshop seine Türen und ließ ein Publikum an der Arbeit teilhaben. Aus der Zuschauerperspektive war überraschend, wie berührend und ausdrucksstark das Spiel eines Schauspielers sein kann, auch wenn er die Sprache nicht akzentfrei beherrscht. Trotz der kurzen Arbeitszeit war die intensive Auseinandersetzung mit dem Text und eine erstaunliche Sensibilisierung für beide Sprachen spürbar. Bei einem Glas Wein endete das intensive Theaterwochenende mit einem regen Austausch der Zuschauer und Teilnehmer über ihre Eindrücke.

Text: Marie-Christine Kesting


Zielgruppe war: professionelle Schauspieler, Studenten und Amateure mit Vorkenntnissen. Kenntnisse der deutschen Aussprache reichen aus.

Alle Infos über den Workshop finden Sie hier:

Künstlerische Leitung:

PhotoMathieuMathieu Huot : Regisseur, Schauspieler und Performer mit einem Abschluß in Politikwissenschaften und Regie. Er gründet 2008 die Cie Mahu und beginnt eine transdisziplinäre Arbeit in Frankreich und im Ausland, in deren Zentrum Aspekte wie Identität, Andersartigkeit und das Akzeptieren von Unterschieden  stehen. In seiner Arbeit überschreitet er Grenzen, seien es jene der künstlerischen Disziplinen, der Schulen, der Genres oder der Kulturen und sozialen Schichten.

Photo NB ThomasKellnerThomas Kellner : Geboren in Rumänien hat er Theater- und Medienwissenschaften studiert. In Deutschland spielt er in Stadttheatern ein klassisches, modernes und zeitgenössisches Repertoire. In Frankreich gründete er die Compagnie J’aime ce Garçon.

In Partnerschaft mit dem Goethe-Institut Lyon und mit der Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Im Rahmen der deutsch-französischen Woche

logos-site