Tanz im Museum

Deutsch französischer Workshop
vom 11. bis 18. September 2016
im Rahmen der Tanzbiennale von Lyon

Bei dem Workshop « Tanz im Museum », der vom 11. Bis 18. September in Lyon stattfand, haben die Teilnehmer auf tänzerische Weise das Gallo-Römische Museum von Lyon entdeckt, eine Auswahl an Veranstaltungen der 17. Tanzbiennale besucht und Gespräche mit Künstlern geführt.

dsc03234Unter der Leitung der Tänzer und Choreografen Liz King und Florian Bilbao haben sie eine Woche lang einen eigenen Zugang zum Museum gefunden und auch die Besucher in ihre Recherche miteinbezogen. Die Gruppe hat sich damit beschäftigt, alle Elemente des Museums – wie Ausstellungsstück, Betrachter und Raum – in ein demokratisches Verhältnis zu bringen und die Wahrnehmung auf alle Sinne auszuweiten.

Auf den rund 5000 m2 des Ausstellungsraumes in dem Gebäude des Architekten Bernard H. Zehrfuss, das hinter den beiden römischen Theatern im Fourvière-Hügel verschwindet, werden Funde der gallo-römischen Geschichte von Lyon ausgestellt, darunter Schätze wie ein gallischer Kalender aus Bronze, ein Sarkophag aus Marmor, in den der Triumph des Bacchus gemeißelt ist oder ein begehbares Mosaik.

Die Arbeit begann mit einer schweigenden Entdeckung des Museums. Danach ging jeder an eine Stelle zurück, die ihm im Gedächtnis geblieben war und entschied sich für ein Detail, das ihm ins Auge fiel, um es den anderen vorzustellen. Es war wie eine eigene archäologische Suche in den Funden des Museums.

dsc03510So entdeckte die Gruppe gemeinsam zum Beispiel das Spiel zwischen runden und geraden Betonstreben über den Wendeltreppe im Eingangsbereich, einen winzigen Holzblock, der eine Steinmaske stützte oder die Fratze eines Jupiter-Gesichtes, dessen Züge durch die Witterung im Laufe der Jahrhunderte an Kontur verloren hatten und der nun den Eindruck verlieh, als ob er seine Zähne fletschte.

Schon bei der Vorstellung dieser Orte und Dinge fiel auf, dass sich die Bewegungsweise der präsentierenden Person wandelte, denn die Relation zu dem Objekt wird mit dem Körper erzählt, wie Liz King findet. Von diesem Detail ausgehend, begann eine Arbeit an eigenen kurzen Kreationen, die die Teilnehmer während der Woche begleiten sollte.

dsc03476Während den Momenten der freien Improvisation, die manchmal als kurze Bewegungsexplosionen, manchmal als Partnerarbeit stattfanden, war das Zusammentreffen mit dem Museumspublikum besonders interessant. Dabei machte die Gruppe die Erfahrung, dass junge Menschen sich einfacher in den Bann ziehen ließen als ältere. Manche blieben verblüfft stehen, begannen zu kichern oder ließen sich dazu inspirieren, einigen Bewegungen zu folgen. Diese Begegnungen zogen gelegentlich sogar Gespräche mit Besuchern nach sich, die das erste Mal mit zeitgenössischem Tanz in Berührung gekommen waren.

Genau das ist das Interessante am Kontext Museum für den Tanz. Zwar herrscht eine andere Aufmerksamkeit als im Theater, aber die Tänzer haben eine besondere Nähe zum Zuschauer und treffen auf ein neues Publikum. Genauso haben die Museen großes Interesse den Tanz in ihre Räume einzuladen, weil er den zumeist statischen Charakter verlebendigen kann, mit seiner Energie auf die Besucher ausstrahlt und ein neues Publikum für das Museum begeistert.

Die Woche mündete in eine Werkschau im Odéon-Theater vor dem Museum, bei der die Gruppe ihre Erfahrungen und Erkenntnisse der Woche mit einem Publikum teilte

Text: Marie-Christine Kesting

Weitere Fotos auf facebook.

Alle Infos zum Herunterladen:


Künstlerische Leiter:

Liz King2016-01-17 Liz.0080AF_geschnitten

Liz King ist Tänzerin und Choreografin. Nach ihrem Engagement beim Stuttgarter Ballett, gründete sie das TTW – Tanztheater Wien und leitete das Stadttheater Heidelberg. 2005 gründete sie D.ID Dance Identity, ein Residenz-Programm für junge Künstler im Burgenland/Österreich, ein Partner des Projekts „Dancing Museums“.

Medium Res Cafe am Neuen See copyright-1017_NoirBlanc
Florian Bilbao

Der französische Tänzer und Chroreograph wurde am CNDC d’Angers ausgebildet und wohnt in Berlin. Er arbeitete mit verschiedenen Choreographen zusammen wie Xavier Le Roy und Tino Sehgal und leitet gemeinsam mit Mercedes Appugliese die Compagnie A+B TANZBAU.


Der Workshop wurde von der Plateforme (Plattform für deutsch-französische Kunst) angeboten, in Zusammenarbeit mit der Biennale de la Danse und dem Musée Gallo-Romain Lyon und mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Region Auvergne – Rhône-Alpes.

Außerdem dankt die Plateforme La briqueterie und dem Projekt Dancing Museums und dem Marameo Berlin für die Unterstützung.

Composition Logos