Deutsch-französische Woche

Die Sprache des Anderen sprechen

mueller

Intensiv-Theaterworkshop übers Wochenende
Für Schauspieler
Auch offen für Amateurschauspieler (nicht für Anfänger geeignet)
Max. Teilnehmerzahl : 15

Mit Mathieu Huot (Paris) und Thomas Kellner (Berlin)

In Zusammenarbeit mit der Compagnie Mahu, dem Goethe-Institut und dem Elysée Théâtre haben die Schauspieler und Regisseure Mathieu Huot und Thomas Kellner ein Intensiv-Theaterworkshop über die Dauer eines Wochenendes angeboten.

Ausgehend von dem Text « Quartett » von Heiner Müller sollte die Sprache als poetisches Material im darstellenden Spiel und theatralen Schreiben untersucht werden. Diese zwei-tägige aktive Recherche hatte zum Ziel durch die Gegenüberstellung von Mutter-und Fremdsprache den Identitätsbegriff und unsere Beziehung zum Fremdartigen (Anderen) und zur Andersartigkeit zu hinterfragen: Inwieweit beeinflusst das Sprechen der eigenen Sprache oder einer Fremdsprache das Spiel des Darstellers?

Französischkenntnisse : es genügt die Ausspracheregeln zu kennen.

Mit der Unterstützung des Deutsch-französischen Jugendwerks im Rahmen der deutsch-französischen Woche.

Intentionsschreiben:

Die deutsch-französische Freundschaft stützt sich auf ein komplexes Verhältnis von Kooperation und Wettbewerb, in wirtschaftlicher als auch kultureller Hinsicht gesehen. Zwei ähnliche aber doch unterschiedliche Kulturen. Diese Dialektik von Nähe und Differenz können wir im darstellenden Spiel dank des ihm eigenen Aspektes erforschen: das gesprochene Wort und in diesem Fall die Sprache an sich.

Muss man die gleiche Sprache zu sprechen, um sich verstehen zu können?

Ist es nötig sich zu ähneln, um sich austauschen zu können?

Dieser Workshop war bestimmt für Schauspieler, die Lust haben, das Sprachmittel unter dem Prisma der Mehrsprachigkeit zu untersuchen.

Die Sprache ist zunächst eine Abfolge von Lauten, die Laut- und manchmal sogar Tastempfindungen (im Mund) hervorrufen, um sich auszudrücken. Warum hat man zum Beispiel die Laute fürchten oder « craindre » gewählt, um denselben Sinn und damit ein Gefühl auszudrücken? Welchen Unterschied macht es, diese Wörter in verschiedenen Sprachen auszudrücken? Kann man etwa den Sinn eines Wortes einem Publikum übermitteln, selbst wenn es nicht dieselbe Sprache spricht? Kann die Sprachempfindung ein Gefühl oder einen Sinn hervorrufen, die über den Sinngehalt des Wortes hinausgeht? Kann die Sprache, wie Artaud es wollte, eine Zauberkraft über uns ausüben und eine Idee oder einen Gedanken vermitteln, ohne an die Vernunft zu appellieren? Kann ein Schauspieler vom Publikum verstanden werden, ohne dass es wörtlich versteht, was er sagt?

Geprägt durch unsere Erfahrungen auf Reisen, Aufenthalten und Werksprojekten im Ausland, stellen wir uns die Frage nach dem Vergnügen und der Unsicherheit eine Fremdsprache zu sprechen. Was heißt es, sich anders auszudrücken und sich in gewisser Weise neu zu erfinden und inwieweit verändet sich dadurch unser Verhältnis zur Muttersprache?

Eine Fremdsprache sprechen. Sich dem Anderen, dem Fremden, verständlich machen. Akzeptieren, sich auszudrücken, obwohl man sich unsicher und verwundbar fühlt – wenn das Fehlen der sprachlichen Mittel einen paradoxerweise dazu zwingt das Wesentliche auszudrücken, ohne zu mogeln. Für den Darsteller kann das Spiel in einer Fremdsprache befreiend und erneuernd wirken.

Für die Teilnahme an diesem Workshop musste man nicht zweisprachig sein : es reicht, Lust darauf zu haben und neugierig zu sein, deutsch und französisch zu sprechen, egal welche Herkunft man hat oder welchen sprachlichen Hintergrund man mitbringt.

Übrigens : Mathieu Huot spricht kein deutsch. Und darum geht es ja : miteinander sprechen zu können, das heißt, über die Sprachbarriere hinaus miteinander reden/kommunizieren zu können.

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photo-Thomas-KellnerThomas Kellner, Schauspieler
Geboren 1981 in Transsylvanien,  Rumänien hat Thomas Kellner Theater- und Medienwissenschaften in Bayreuth studiert, dann an der Universität Anton-Bruckner in Linz (Österreich). Im Jahre 2006 kommt er ans Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique (CNSAD) in Paris. In Deutschland spielt er in Stadttheatern das klassische, moderne und zeitgenössische Repertoire. In Frankreich gründet er die Compagnie J’aime ce Garçon und spielt ebenfalls im Théâtre Ouvert, im Studio-Théâtre de la Comédie Française, im Théâtre des Amandiers de Nanterre und im Nationaltheater von Teheran. Seit 2013 ist er auf Tournee mit dem deutsch-französischen Stück La passion des soldats de la Grande Guerre, insbesondere am Goethe-Institut, im Heinrich-Heine-Haus und im Théâtre de l’Opprimé. Thomas Kellner spielt auch im Fernsehen, insbesondere in Un village français (France 3) und im französischen, deutschen und österreichischen Kino.


photo-Mathieu-HuotMathieu Huot, Regisseur und Schauspieler
Mathieu Huot hat 2001 seinen Abschluß in Politikwissenschaften gemacht, 2005 am Conservatoire Paris XVI-art dramatique (im Fach Schauspiel) mit Stéphane Auvray-Nauroy und Philippe Sire. Danach macht er von 2013-14 eine Weiterbildung im Fach Regie am CNSAD (Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique) mit Vincent Goethals, Jean-Loup Rivière, Xavier Gallais und Matthias Langhoff. 2008 gründet er die Theatertruppe Mahu und beginnt eine transdisziplinäre Arbeit in dessen Zentrum Aspekte wie Identität, Andersartigkeit und das Akzeptieren von Unterschiedlichkeiten durch die Monsterfigur stehen: Stücke, Performances, Ateliers, Kûnstlerkollaborationen (mit ORLAN, Eugène Durif, Karelle Prugnaud…). In seiner Arbeit überschreitet er Grenzen, seien es jene der künstlerischen Disziplinen, der Genres, der Referenzen, seien sie internationaler oder sozialer Art. Als Wissenschaftler gründet er 2014 das Regisseuren-Kollektiv Open Source und beteiligt sich an anderen wissenschaftlichen Kollektiven (TAC, le Cartel). Als Schauspieler hat er u. A. Texte von Handke, Kane, Genet, Copi, Koltès, Wilde, Perrault, Racine gesprochen und gespielt in Stücken von Pippo Delbonno, Werner Schroeter, André Engel, für junge Theatertruppen und in Performances von William Pope L., Dora Garcia, Ivana Müller, Fanny de Chaillé, David Noir. Gespielt hat er insbesondere im Théâtre du Rond-Point, im Théâtre National de Chaillot, im FIAC-Grand Palais in Paris, im MAC/VAL, im Jeu de Paume, in der Stiftung Cartier, in Ménagerie de Verre, CNSAD, La Loge, im Théâtre de Vanves und in den Laboratoires d’Aubervilliers. www.compagnie-mahu.com

Text-Corpus :

Antonin Artaud, Pour en finir avec le jugement de Dieu
Marguerite Duras, La Maladie de la mort
Heiner Müller, Quartett
Werner Schwabb, Die Präsidentinenn

24. und 25. Januar 2015, 10h – 13h und 14h – 17h
Im Théâtre de l’Elysée, 14 rue Basse-Combalot, 69007 Lyon
Tarif : 40 €

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