Kunst, die verbindet

Am 9. Juni 2016 haben sich um 15h etwa 30 Interessierte im Toï Toï le Zinc versammelt, Kulturveranstaltungsort und Restaurant in Villeurbanne, um sich auszutauschen rund um das Thema „Kunst, die verbindet“ und die künstlerische und kulturelle Praxis gegen Ausgrenzung.

thumb_DSC00481_1024
Die Café-Débatte wurde organisiert im Rahmen einer Fortbildung mit Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich und Québec, die vom 4. bis 12. Juni in Lyon stattfand. Die Teilnehmer (junge Künstler, Projektleiter, Sozialarbeiter, Kulturpädagogen) haben Institutionen und Strukturen im Großraum kennengelernt, die sich mittels künstlerischer Praxis an Menschen in sozialer Ausgrenzung richten.

Die Idee dieses Treffens war, die Erfahrungen der Woche mit Interessierten zu teilen, aber auch Standpunkte und Rückmeldungen von Experten zu erfahren, die schon in dem Bereich tätig sind.

Ausgangspunkt für die Café-Debatte war eine Performance aus den Ausdrucksformen Fotografie und Tanz, bei der die Reflexionen zum Thema „Mit Kunst gegen Ausgrenzung“ zu einem Höhepunkt zusammenliefen. Die eine Hälfte der Gruppe hatte die Möglichkeit, während der Woche mit Natacha Paquignon zusammenzuarbeiten, Choreographin und Tänzerin der Kompanie Cie Kat’chaça. Die andere Hälfte suchte gemeinsam mit Sarah Mulot, Fotografin des Collectif Ohm’art, einen visuellen Ausdruck für das Thema. Ihre Aufgabe war es, während der Woche ein einziges Foto zu schießen und es dann live vor den Augen der Zuschauer auf der Bühne zu entwickeln.

Im Zentrum der Performance stand ein Objekt, das als Inspirationsquelle diente: der Koffer. Bei diesem Wort schwingen gleich die Vorstellungen von Aufbruch, Neuanfang und Rückkehr mit. Er hat den Beigeschmack von Reise, Veränderung, Abenteuer, Fernweh, Eile, Grenzen… Dieses Objekt brachte die Diskussion wie von alleine auf das Verhältnis jedes Einzelnen gegenüber neuen Situationen, in denen man sich selbst ausgeschlossen fühlen kann.

Die Experten und anwesenden Gäste diskutierten über die Kunst gegen Ausgrenzung, die in erster Linie eine befreiende Funktion haben sollte, anstatt ein Endprodukt anzustreben… oder die ein Mittel sein könnte, um soziale Gerechtigkeit zu schaffen?

Die Wortauswahl, die in einem solchen Kontaxt angewandt wird, wurde unter die Lupe genommen: warum spricht man auf französisch von „publics empêchés“ (wörtl. verhindertes Publikum)? Können wir die Kunst als ein verbindendes Mittel verstehen, als ein Werkzeug, ein Prozess… ?

Auf diese Weise kamen tiefer liegende Fragen zum Vorschein: Ist die Kunst dazu da, uns ins Staunen zu versetzen und Kind zu bleiben? Ist Kunst elitär? Wie können wir bestehende Grenzen einreißen?
cafe debat
Ohne klare Antworten oder feste Standpunkte anzustreben, waren sich doch alle Anwesenden darin einig: die Kunst kann Denkanstöße geben und insbesondere Verbindungen schaffen.

Die Café-Debatte half Beziehungen zwischen Menschen zu knüpfen, die weitere Initiativen nach sich ziehen werden, um über dieses komplexe Thema zu sprechen. Es war ein Moment, um sich auszutauschen und Projekte zu entwickeln, die offen für ein Publikum ohne Ausnahme sind.


 

Die Veranstaltung wurde organisiert von der Plateforme (Plateforme de la jeune création franco-allemande) in Zusammenarbeit mit dem Toï Toï le Zinc, der Kompanie Kat’chaça, dem Kollektiv Ohm’Art, mit der Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks, des Office franco-québécois pour la Jeunesse / LOJIQ und der Region Auvergne – Rhône-Alpes.

logosmailCafedebat