Europalaver-Abend 2016

Am 22. April 2016 um 19h00 im Subsistances
Öffentliche Abendveranstaltung mit Debatten und Theater zum Abschluss der Europalaver-Woche, an der etwa 30 junge Europäer teilgenommen hatten.

Im Schutz der Mauern des alten Lyoner Klosters, das heute das „Subsistances“ beherbergt, ein Ort der freien Darstellende Kunstszene, versammeln sich neugierige Europäer, die gespannt sind auf den Abend mit Debatten und Theater, der den europäischen Workshop Europalaver zu einem Ende bringen wird.
Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren, aus verschiedenen Ländern Europas hatten eine Woche zusammen verbracht, um sich über Europa auszutauschen, zu diskutieren, nachzudenken und sich davon für eine Theaterwerkstatt inspirieren zu lassen. Am Freitag den 22. April teilten sie ihre Erfahrungen und Fragen, die sie während der Woche beschäftigt haben, mit einem Publikum.

DSC09725Das Publikum hat sich auf die beiden Zuschauertribünen verteilt, das Licht geht aus. Eine Rede auf kroatisch dämpft die letzten Flüstergeräusche. Die erste kurze improvisierte Theaterszene nimmt uns mit in ein Europa, das mit der Flüchtlingskrise konfrontiert ist. Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan klopfen an die Türen des EU-Parlaments und erbitten Einlass in die EU. Das Europäische Parlament beratschlagt sich über den ganzen Saal verteilt auf deutsch, französisch, kroatisch oder bulgarisch und bewilligt drei Plätze für die 10 Bittsteller. Doch wie trifft man die Auswahl? Darf man bestimmte Länder bevorzugen? Entspricht eine Auslese der Flüchtlinge den Menschenrechten, die in den EU-Verträgen verankert sind?

Les migrantsDiese Szene war der Ausgangspunkt, um sich auszutauschen, auf deutsch und auf französisch, zwischen den Teilnehmern, dem Publikum und den Experten, die auf verschiedene europäischen Fragen spezialisiert waren.

Die kulturelle Vielfalt der Gruppe, die an der Woche teilgenommen hatte, bereicherte die Debatte. Jeder konnte seine Auffassung der EU und ihrer Grenzen kundtun aus der eigenen Sicht und vor dem Hintergrund seiner kulturellen und sozialen Prägung.
Manch einer hat nie die Grenzen in Europa bewusst wahrgenommen, andere, die die Zeit des eisernen Vorhangs erlebt hatten, wussten die vielen Möglichkeiten zu schätzten, die die Freiheit des Schengen-Gebiets ihnen bietet.

DSC09914Die zweite Szene war eher eine Collage aus Ideen, was die EU-Länder verbindet. Die Schauspieler schrieben auf allen vier Sprachen Zitate auf den Boden, um sie der Debatte auszusetzen wie: „Charlie Hebdo vereint uns“, „Die Sprache Europas ist die Übersetzung“ oder  „Wo endet Europa?“.
Fragen kamen auf wie: Kann man von einer europäischen Identität sprechen? einer europäischen Kultur ? einem Zusammenhalt, eine gemeinsame Identität ist sie wünschenswert für die Mitgliedsstaaten der EU?

DSC09876Einige wünschten sich eine gemeinsame Sprache wie das Esperanto und betonten die Vorzüge der EU für ihre Staaten. Andere, ohne EU-Skeptiker zu sein, betonten die Wichtigkeit der nationalen Regierungen und betrachteten Europa eher als ein « Plus « , ein « Extra » und nicht Ersatz der nationalen Bürgerrechte .

Die Debatte, eine Mischung aus Diskussion und Theater, endetet emotional, die erwähnten Argumente klangen in jedem nach, vor dem Hintergrund seiner Geschichte, seinem Alltag und seinen persönlichen Werten. Die europäische Identität liegt vielleicht genau in der Bereitschaft, wieviel man bereit ist zu investieren?

Dann fällt der Vorhang und alle versammelten sich bei einem Glas Wein im Foyer des Subsistances, um weiter zu palavern, ob « d’accord oder nicht d’accord ». Eine bereichernde Erfahrung für alle Anwesenden, die Europa konkret werden ließ.

Text: Manon Le Hir, Marie-Christine Kesting

Mehr Bilder dazu hier.

DSC09977Das Projekt wird angeboten von der Plattform für deutsch-französische Kunst und findet in Zusammenarbeit mit zahlreichen europäischen und französischen Strukturen in Lyon statt, mit dem Goethe-Institut Lyon, dem Instituto Cervantes, der Maison de l’Europe et des Européens, Europe direct, der Cie Combats Absurdes, den Subsistances, der Alliance Française d’Osijek, der Association Roditeli, dem Kultur Kabinett und Tremplin Anepa. Das Projekt wird realisiert mit der Unterstützung der Hippocrene Stiftung, des Deutsch-Französischen Jugendwerks, der Région Rhône-Alpes und ist mitfinanziert von der Europäischen Union.

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