Physisches Theater Juli 2016

Deutsch-französischer Workshop
6.-14. Juli 2016 in Mime Centrum in Berlin

DSC01308„Physisches Theater“, einer der vielen Workshops, die sich an junge angehende Schauspieler, Amateure oder Professionelle richtet, bot einer Gruppe von etwa 20 Teilnehmern aus Frankreich und Deutschland an, sich mit vier verschiedenen Disziplinen des Bewegungstheaters auseinanderzusetzen, angeleitet von Experten unterschiedlicher europäischer Bewegungsschulen:

Anke Gerber, Expertin für Pantomime und Bewegung, Lionel Ménard, Regisseur, ausgebildet an der Schule von Marcel Marceau, Oliver Pollack, Schauspieler und Mime, ausgebildet in Mime Corporel nach Étienne Decroux und Tony De Mayer, Schauspieler und Pädagoge, spezialisiert auf Biomechanik nach der Technik von Meyerhold. Während einer Woche, haben sie mal alleine, mal gemeinsam ihr Wissen weitergegeben, dass sich gegenseitig ergänzte.DSC00721

Die Gruppe stellte sich zusammen, auf französischer Seite aus Absolventen der Lyoner Schauspielschule „La scène sur Saône“ und auf deutscher Seite aus Tänzern, Schauspielern und Studierenden der darstellenden Künste mit verschiedenem Erfahrungshorizont.

Der Workshop wurde angeboten in Zusammenarbeit mit dem Mimos-Festival in Périgueux, dem Mime Centrum Berlin, mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Region Rhône-Alpes.

Nach dem morgendlichen Bewegungstraining in den Studios des Mime Centrums Berlin (ein Ort für künstlerische Praxis, Information und Dokumentation für Tanz und Theater), schlossen die Arbeitseinheiten des Workshops an, die in beide Sprachen übersetzt wurden (deutsch und frqnzösisch), in denen die Teilnehmer die Bewegungs-und Mimetechniken kennenlernen und ausprobieren konnten.DSC01164

Ein Videoabend, der zur Entdeckung der Mediathek des Mime Centrums einlud und ein Moment des Austauschs mit den Kursleitern war, trug dazu bei, einen neuen Blick aus das physische Theater zu gewinnen.

Der Zusammenhalt des Leitungsteams, Vertrauen in der Gruppe, die Berücksichtigung des Zuschauers, Präzision der Bewegung, die Wichtigkeit der Geste beim Spiel auf der Bühne, die Isolationspunkte verschiedene Körperteile etc. waren Aspekte und Techniken, die im Laufe der intensiven und bereichernden Woche zur Sprache kamen und ausprobiert werden konnten.

Die Gesamtheit der Übungen ließ die Teilnehmer an ihre körperlichen Grenzen stoßen (trotz des wohlwollenden Blicks der Kursleiter), aber ermöglichte dadurch, sie sich anzueignen wie ein Arbeitswerkzeug für das Spiel.

DSC01269Die Müdigkeit und der Muskelkater, die nach einigen Tagen dazu gehörten, konnten die Dynamik und den Wissenshunger der Teilnehmer nicht mindern. Mit den Übungen und der Recherche allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen, bereitete sich die Gruppe auf die Werkschau vor, die am 13. Juli im Studio 2 des Mime Centrums stattfand: Dabei wurden einige improvisierte Übungen dem Publikum vorgestellt, wie „Der Stamm“, die den Zusammenhalt der Gruppe und das Vertrauen untereinander spiegelte. Dabei geht es z.B. darum, sich nach hinten fallen zu lassen, ohne seine Kollegen vorzuwarnen und trotzdem rechtzeitig von ihnen aufgefangen, hochgehoben, getragen und dann in absoluter Harmonie auf dem Boden gelassen zu werden. Andere Szenen, die erarbeitet und geprobt wurden, waren das Mime-Drama „Der Mantel“, das nach den vier Methoden gespielt wurde, die die Gruppe kennengelernt hatte (Marceau, Meyerhold, Pantomime, Mime corporel). Zudem haben die Teilnehmer kurze Szene erarbeitet, bei denen das Publikum mal in die Szenerie eines Westerns, eines Liebesromans, in ein Büro oder in ein Gewitter in den Bergen versetzt wurde.

Bei der Auswertungsrunde wurde dieses menschliche und künstlerische Abenteuer von den Teilnehmern beschreiben als „ Ohrfeige, die ermöglichte, sich die Wichtigkeit des Körpers beim Spiel bewusst zu machen und die die Lust weckt, weiter und weiter zu arbeiten“. Eine andere Stimme erwähnte „die Harmonie zwischen einer wertvollen Pädagogik und einer Arbeitsgruppe, die offen für die anderen war“: Oder vielleicht reicht es, als Schlusssatz stehen zu lassen: „Es ist ein Workshop, der einfach gut tut.“DSC01295Mehr Fotos auf unserer Facebook-Seite!


Künstlerische Leitung:

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Oliver Pollak ist nach einer Ausbildung in Kopenhagen, Paris und London als Darsteller, Regisseur und Pädagoge in Berlin tätig. Er ist auf mime corporel nach Etienne Decroux spezialisiert.

Lionel Ménard war zunächst Schüler bei Marcel Marceau und hat dann 10 Jahre lang mit ihm zusammen gearbeitet. Heute ist er Regisseur, zum Beispiel für die Compagnie Bodecker & Neander in Berlin.

Tony De Maeyer ist Schauspieler und Lehrer für Biomechanik. Er studierte u.a. bei G. Bogdanov und arbeitete auch im Rahmen von internationalen Produktionen mit ihm zusammen.

Anke Gerber hat Ballett und Philosophie studiert, und arbeitet als Pantomimin, Tänzerin, Regisseurin und Pädagogin in den Bereichen Mime, Clownerie, Körpertheater und Maskenspiel v.a. in Berlin.


Alle Infos zum Herunterladen:


Der Workshop wurde angeboten vom Mime Centrums Berlin und der Plattform für deutsch-französische Kunst, in Zusammenarbeit mit dem Festival Mimos in Périgueux und der Schule „La Scène Sur Saône – Le Croiseur“ in Lyon. Die Plattform wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und der Région Rhône-Alpes unterstützt.

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