Physisches Theater – August 2017

Deutsch-französischer Workshop
vom 28. August bis 4. September 2017
im Mime Centrum in Berlin

Zum zweiten Mal dieses Jahr bot die Plateforme in Zusammenarbeit mit dem Mime Centrum in Berlin den deutsch-französischen Workshop « Physisches Theater » an. Dafür kamen von französischer Seite ehemalige Schauspiel-Studenten der Schauspielschule « La Scène sur Saone » aus Lyon und einige deutsche Schauspieler-Absolventen Ende August im Künstlerquartier Berlin-Kreuzberg zusammen.

Die Teilnehmer hatten in diesem Workshop die außergewöhnliche Möglichkeit, sich mit verschiedenen Schulen des europäischen Bewegungstheaters im direkten Vergleich auseinanderzusetzen: Mime nach Marcel Marceau, „Mime Corporel“ nach Etienne Decroux, Biomechanik nach Meyerhold und weiteren zeitgenössischen Formaten.

Mit einem netten Umtrunk startete der Workshop im Mime Centrum, ein Ort der künstlerischen Praxis für Tanz und Theater, wie auch dessen Information und Dokumentation in der großen Mediathek, die mehr als 800 Video-Aufzeichnungen von Aufführungen im Bewegungstheater birgt.

Der Anfang des Workshop erwies sich direkt sehr intensiv als auch physisch. Oliver Pollak trainierte die Gruppe in « mime corporel » nach Etienne Décroux. Die SchauspielerInnen lernten zuerst den « Lapanismus » kennen, ein Terminus, den Oliver Pollak für sein Training erfunden hat und der eine aufrechte, offene, für alles bereite Haltung meint, die der Schauspieler auf der Bühne einnehmen sollte. Er führte sie weiterhin in die Trainingsmethoden Décrouxs ein : wie das « contre-poid », und das « triple dessin ».

Tony de Maeyer schloss sich direkt an das intensiv-physische Training an : mit dem Ansatz der Biomechanik nach Meyerhold lernten die Teilnehmer mit ihrem Kommandopunkt gewisse Körper-Haltungen einzunehmen, und vor allem auch, dass die meiste Arbeit das Schauspielers aus den Beinen kommen muss.

Nach der relativ körperlich anstrengenden ersten Phase des Workshops übernahm Lionel Ménard die Gruppe und führte sie in die Welt von Marcel Marceau ein. Er bot eine Emotionen- und Präsenz-Arbeit für den Schauspieler an, um anschließend einige Sequenzen aus dem Marceau`schen Repertoire zu erlernen: wie „Die Hungernden“, „Die Bergsteiger“, „Die Beamten“ oder „Die Alten“.

Anke Gerber ergänzte die Arbeit mit ihrem persönlichen Ansatz. Sie arbeitete mit der Gruppe vor allem mit der Isolierung der Körperteile, der Fixpunkte, und vor allem in der Präzision der Körperarbeit.

Am letzten Abend wurden die Ergebnisse der Woche in einer öffentlichen Werkschau präsentiert. Zahlreich kamen die Berliner ins Künstlerhaus Bethanien und schauten, lachten und bewunderten die wirklich herausragenden Vorführungen.

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Künstlerisches Leitungsteam:

Physisches Theater_Mai2017Anke Gerber (links) hat Ballett und Philosophie studiert und arbeitet europaweit als Pantomimin, Tänzerin, Regisseurin und Pädagogin in den Bereichen Mime, Clownerie, Körpertheater und Maskenspiel.

Lionel Ménard (Mitte unten) war zunächst Schüler von Marcel Marceau und arbeitete dann 10 Jahre lang mit ihm zusammen. Heute ist er als Regisseur und Pädagoge in Frankreich und Deutschland tätig.

Oliver Pollak (Mitte oben) ist nach einer Ausbildung in Kopenhagen, Paris und London als Darsteller, Regisseur und Pädagoge in Berlin tätig. Er ist auf «mime corporel» nach Etienne Decroux spezialisiert.

Tony De Maeyer (rechts) ist Schauspieler und Lehrer für Biomechanik. Er studierte u.a. bei G. Bogdanov  und arbeitete  auch  im Rahmen von  internationalen Produktionen mit ihm zusammen.


Der Workshop wird vom Mime Centrum Berlin und der Plattform für deutsch-französische Kunst angeboten, in Zusammenarbeit mit dem Festival Mimos in Périgueux. Die Plattform wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und der Région Rhône-Alpes unterstützt.logositeDE