Passeurs d’Europe: Afrika(s)

„Afrika…Afrikas!
Man stellt heute kaum mehr infrage, dass vor Millionen Jahren ein abenteuerlustiges Säugetier geboren wurde, das langsam zum Menschen werden sollte. Um die Welt benennen und die Angst vor dem Unbekannten vertreiben zu können, sollte es die Poesie und die Musik erfinden.“
Xavier Jacquelin, Beauftragter am Conservatoire de Lyon für internationale Beziehungen

© Jean-Marie Refflé


Das Projekt der Passeurs d’Europe

„Passeurs d’Europe“ ist eine internationale Veranstaltung, die am 14. und 15. März 2017 zum 13. Mal stattfand und in einer Aufführung Poesie, Musik und Theater miteinander vereint. Im Rahmen des Printemps des Poètes wird diese Veranstaltung jedes Jahr durch die Plateforme in Zusammenarbeit mit zahlreichen kulturellen Institutionen in Lyon organisiert.


Das Prinzip der Veranstaltung:
Gedichte in europäischen Sprachen, übersetzt in verschiedene Sprachen der Welt

Die Institutionen, die jede für sich ein europäisches Land repräsentieren, wählen jeweils ein Gedicht in ihrer Landessprache aus, das in Zusammenhang mit dem aktuell vom „Printemps des Poètes“ festgelegten großen Thema steht. Im Sinne eines offenen Austauschs zwischen den Kulturen werden diese Gedichte daraufhin in verschiedene Sprachen der Welt übersetzt. Die „Passeurs d’Europe“, Freiwillige aus verschiedenen Ländern, Amateure wie Interessierte, nehmen an der Entstehung der Aufführung teil und tragen die Gedichte in ihrer Muttersprache vor. Musikalisch untermalt wird die Veranstaltung von Musikstudenten eines Improvisationskurses am Conservatoire de Lyon unter der Leitung von Véronique Boige.

Die 13. Ausgabe: „Afrika(s)“

© Jean-Marie Refflé

„[…] heute wie gestern ist und war es schwierig, die drei Wörter „Afrique – Passeurs – Europe“ aneinanderzureihen, ohne dabei Wut und Scham zu empfinden. So viele verpasste Begegnungen, so viel verlorene Zeit zwischen Mensch und Mensch! Wir müssen also im Zuge dieser Worte von Liebe und Lachen, von Freude und Stolz, bei diesem Frieden, der manchmal im Herzen von Leiden erwächst, verweilen.“
Xavier Jacquelin

Für diese 13. Ausgabe der „Passeurs d’Europe“ war es das Thema „Afrika(s)“, das den Anstoß für die Auswahl der Gedichte gab. Während einer Woche probten die Teilnehmer jeden Abend unter der Leitung von Regisseurin Gaëlle Valentin-Konaté (Mama Cie), um eine Aufführung auf die Beine zu stellen. Am 14. und 15. März schließlich war es so weit: Die Inszenierung wurde den Zuschauern auf der Bühne des Espace Hillel präsentiert, das den „Passeurs“ seit drei Jahren als Veranstaltungsort dient. In diesem Jahr war es eine Mischung aus 30 unterschiedlichen Sprachen, die auf der Bühne zu hören waren, darunter mehrere afrikanische: Arabisch, Bubi, kapverdisches Kreol, Igbo, Kongo, Luba, Sango, Soso, Swahili und Tagbanan. In der Sprachenvielfalt und der farbenfrohen Kulisse auf der Bühne konnte das Publikum einen kleinen Eindruck der immensen Diversität des Kontinents Afrika wiederfinden.

© Jean-Marie Refflé

Diese Ausgabe der „Passeurs d’Europe“ stellte eine Premiere dar: Dank des Instituto Cervantes hatten wir die Ehre, zum ersten Mal einen der Dichter der Veranstaltung persönlich auf der Bühne begrüßen zu dürfen: Justo Bolekia Boleká aus Äquatorialguinea. An der Seite der Teilnehmer trug er auf der Bühne seinen Text „Horizonte concluido“ auf Spanisch vor, ein Gedicht, in dem sich ein Refrain auf Bubi wiederholt: ein Wiegenlied aus seiner Kindheit, das von den Teilnehmern auf der Bühne chorisch aufgegriffen wurde.

Folgende weitere Gedichte wurden in ihrer Originalsprache, auf Französisch und in zahlreichen anderen Sprachen vorgetragen:

  • Gedicht auf Deutsch: „H. M. S. (Henry Morton Stanley)“, Hans Magnus Enzensberger
  • Gedicht auf Englisch: „On being brougt from Africa to America“, Phillis Wheatley
  • Gedicht auf Französisch: „Je vous remercie mon Dieu“, Bernard Binlin Dadie
  • Gedicht auf Italienisch: „Diario d´Algeria“, Vittorio Sereni
  • Text auf Polnisch: Auszug aus „Heart of darkness“ („Jądro ciemności“), Joseph Conrad
  • Gedicht auf Portugiesisch: „Dois anos de distância“, Agostinho Neto
  • Gedicht auf Rumänisch: „Africa, Africa“, Adrian Grauenfels

© Plateforme

Einer der Teilnehmer, Tiago Bandeira de Lima, hat seine Erfahrung mit den „Passeurs d’Europe“ in seinem Blog folgendermaßen zusammengefasst:
« As for me, I couldn’t believe my luck in having had the honour to participate in such a great project! I wasn’t sure of what to expect when I volunteered to participate in this project, and in 10 days I made 40 new friends and met some amazing and inspiring people. The group energy and connection really made me think I should do something similar like this in the future. I really really enjoyed being part of a group. Those moments, before the curtain opened, where we were all in place just waiting, looking at each other nervously, cheering each one of us with our eyes, passing our energy and courage to each other, those moments are so strong, I love them… and then the feeling of accomplishment at the end of a group performance, where everyone pulls in the same direction is so great, that I really want to re-live it. As for the theme of this year –  Africa, it also inspired me to get to know a lot more about this continent. We had lots of people from all over Africa, talented, great spirits, sweet, happy and inspiring individuals, which made me want to visit and learn more about this fascinating continent! »
Falls Ihr den ganzen Bericht von Tiagos Erlebnissen lesen wollt, findet Ihr hier den Link zu seinem Blog: http://laventuredetiagoalyon.blogspot.fr/2017/03/passeurs-deurope-afriques-unforgettable.html

© Jean-Marie Refflé

Dank einer emotionsreichen, intensiven Probenwoche konnten die 40 Teilnehmer innerhalb der Gruppe – mit Menschen jeden Alters, kulturell und national vollkommen verschiedener Herkunft – eine einzigartige Erfahrung machen. Die Teilnahme an diesem Projekt ließ unter ihnen ein Gefühl der Wertschätzung und der gegenseitigen Anerkennung entstehen: Jede(r) hatte ihren/seinen Platz, jeder/-m kam eine ganz besondere Rolle zu, da sie/er die eigene Kultur und Sprache repräsentieren und ihr große Bedeutung verleihen konnte. Dank einer/-s jeden Einzelnen von ihnen konnten die Sprachen auf der Bühne vor einem zahlreichen und enthusiastischen Publikum (insgesamt fast 500 Zuschauer an zwei Abenden) erklingen, das das erstaunliche Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der bunten Gruppe miterleben konnte…

Auch wenn sie sich erst zehn Tage zuvor kennengelernt haben, so bleiben die „Passeurs d’Europe“ auch nach den Aufführungen weiterhin in Kontakt – Freundschaften, die sich auf gegenseitigem Austausch und Respekt gegründet haben.

© Jean-Marie Refflé

Gaëlle Valentin-Konaté, Regisseurin; Regieassistenz: Xinyi Wu

Véronique Boige, musikalische Leitung


Eine Auswahl der schönsten Fotos der Aufführungen finden Sie auf unserer Facebook-Seite!

Und ein Video, von Alexandre Adji-Anastasiou realisiert:


Ein Projekt der Plateforme (association Plateforme de la jeune création franco-allemande) in Zusammenarbeit mit einigen der Institute des Netzwerks EUNIC Lyon (Goethe-Institut, Instituto Camões, Instituto Cervantes, Istituto Italiano di Cultura), dem Institut de Langue et de Civilisation Polonaise, dem Consulat Général de Pologne, dem Consulat Général de Roumanie, der Maison de l’Europe et des Européens, dem Conservatoire de Lyon, der Université Lumière Lyon 2 — Centre Interational d’Etudes Françaises, dem Verein The Culture Tree, dem Théâtre des Asphodèles und dem Espace Hillel, mit der Unterstützung der Stadt Lyon, der Région Auvergne-Rhône-Alpes, dem Espace Pandora und der Naaka, einem Vertrieb afrikanischer zeitgenössischer Möbel, der für die Aufführungen Accessoires zum Bühnenbild beigesteuert hat.